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Autonomes Fahren im Busverkehr - Ein Besuch bei Sofia

Zufällig hatten wir in einer Zeitschrift des NWL einen Bericht über „Sofia“ gelesen: ein kleiner Bus, 6 Sitzplätze, 1 Platz für einen Rollstuhl, fährt autonom durch Soest. Das mussten wir uns natürlich anschauen – schon weil in der letzten Ratssitzung ein Projekt vorgestellt wurde, das – so wurde es gesagt – schon in absehbarer Zeit in Driburg zum Einsatz kommen könnte und mit bis zu 80 km/Stunde den Nahverkehr in Bad Driburg revolutionieren soll.

In Soest angekommen fuhr dann der kleine Bus vor dem Bahnhof vor. Eine überaus spannende Technik.

Eine freundliche „Operatorin“ an Bord, die mit Busführerschein ausgestattet dann eingriff, wenn es doch mal haperte und die kompetente Auskunft zu allen Fragen geben konnte. Wirklich autonom ohne Menschen mit entsprechendem Führerschein an Bord darf „Sofia“ laut Straßenverkehrsordnung nicht fahren.

Die technischen Details: Elektromotor mit Akku für ca. 9 Betriebsstunden, höchstens 15 km/Stunde schnell mit einprogrammierter Route durch die Stadt. „Sofia“ könnte schneller – bis 45 km/Stunde – darf sie aber aus Sicherheitsgründen nicht – da ist die Straßenverkehrsordnung streng. Vorn, hinten, auf dem Dach und an den Seiten Sensoren, die das weitere Umfeld bis 40m und den unmittelbaren Bereich vor dem kleinen Bus abtasten. Sicherheit geht vor: sobald ein unvorhergesehenes Hindernis auftaucht, bremst der kleine Bus abrupt ab. Ist das Hindernis von weitem zu erkennen, bremst er natürlich viel sanfter ab.

Ampeln erkennt das System noch nicht, da muss die freundliche Operatorin eingreifen, ebenso bei allen Notstopps. Das passiert leider häufiger, wenn PKW den Mindestabstand nicht einhalten oder mit zu hoher Geschwindigkeit entgegen kommen.

Allerdings beherrscht „Sofia“ das Stopp-Schild perfekt: den Bus zum Stehen bringen, 3 Sekunden warten und weiterfahren, wenn die Strecke frei ist.

„Es hat eine ganze Woche gedauert, bis die Strecke einprogrammiert war.“ erläuterte uns die Operatorin. „Jetzt gibt es aber neue Baustellen, die es damals noch nicht gab und die der Bus nicht selbständig lernt. Da muss ich immer eingreifen und das Fahrzeug um die Baustellen herum lenken.

Das ist durchaus anspruchsvoller, als einen großen Bus durch Soest zu lenken, haben wir erfahren. Denn der kleine Bus wird von vielen Verkehrsteilnehmern nicht ernst genommen oder als Hindernis verstanden, das es – auch mit erhöhter Geschwindigkeit – zu überholen gilt. Und schon ist wieder eine Notbremsung angesagt und zack, Sofia steht.

Da Soest testen soll, wie das System funktioniert und was verbessert werden muss, fahren die Fahrgäste kostenlos. Außerdem ist der Bus behindertengerecht ausgestattet. Die Erkenntnisse geben dem begleitenden Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung.

„Sofia“ ist noch bis zum 17. Dezember im Einsatz. Und es ist sehr spannend und lehrreich, mit dem kleinen Bus eine Tour zu unternehmen.

Weitere Infos gibt's hier.



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