23.03.2016

Von Bad Driburg nach Nairobi

Herbert und Ute Falke berichten aus Kenia

Ende Juli 2015 ging es für uns nach Nairobi. Für 6 Jahre als Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde und als Lehrerin an der deutschen Schule. Nun, wir sind angekommen, aber unsere gesamte Einrichtung, unsere Kleidung, unsere Bücher, stehen noch immer in Paderborn. Wir leben auf den Möbeln, die unsere Kirchengemeinde uns zur Verfügung gestellt hat. Und was Gemeindearbeit und Unterricht in der Schule angeht, heißt es: „Improvisieren ist alles!“ – Und das, weil wir erst ein halbes Jahr auf unsere Aufenthaltsgenehmigung und nun noch auf unsere Alien-ID-Karte (der Personalausweis für Ausländer!) warten müssen (Gelobt sei die deutsche Behördenbürokratie!!!), damit wir mit der unseren Container im Hafen von Mombasa auslösen können.

Das bedeutet allerdings nicht, dass es uns hier schlecht geht: Es ist zur Zeit kuschelig warm ( 25 – 30 Grad), die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, wir fühlen uns in der 4- bis 6-Milionen-Stadt Nairobi (keiner kennt die genaue Einwohnerzahl) sehr wohl und genießen den meist ganz anderen Lebensrhythmus in Kenia. Sicher, Nairobi ist eine oft hektische Metropole, immer wieder bricht der Verkehr auf den Hauptstrecken zusammen, da die Straßen der täglich wachsenden Flut der Autos nicht gewachsen sind. So brauchen wir für die 13 km zur deutschen Schule auch schon mal 90 Minuten und mehr. Und eines ist für mich als GRÜNEN auch recht erschreckend: Einen TÜV oder eine Abgasuntersuchung gibt es hier nicht – und so ist der Abgasgestank oft unerträglich und natürlich auch im höchsten Grade gesundheitsgefährdend.

Trotz der oft chaotischen Verkehrsverhältnisse, bei denen die Regeln nicht unbedingt immer klar sind, bleiben die Menschen gelassen – Hupkonzerte, laute Beschimpfungen anderer Verkehrsteilnehmer bleiben meist aus, obwohl das Recht des Stärkeren und Gewitzteren die Tagesordnung auf den Straßen bestimmt. Aber pole –pole, hakuna matata (immer mit der Ruhe, es wird schon werden, mach Dir keine Sorgen) ist eben das Lebensmotto. Und das ist wichtig: denn die Lebensverhältnisse der ca. 1,5 bis 2 Mill. Menschen in den Slums ist von Armut, Arbeitslosigkeit und Hunger bestimmt. Da ist der Eine auf den Anderen angewiesen.

Was unsere Arbeit angeht: Schule ist eigentlich wie in Deutschland, nur das wir hier an der Deutschen Schule nur 8 bis 15 Kinder in den Klassen haben, von denen meist etwa die Hälfte nicht ursprünglich deutschsprachig ist. So muss dann, wenn es auf Deutsch nicht weiter geht, auch mal einige Sätze Englisch gesprochen werden.

Und in der Kirchengemeinde sieht es auch meist so wie in einer deutschen Gemeinde aus, nur eben alles viel Kleiner!!! Deutsche Gemeinde heißt für die Deutschen, die Österreicher und die Schweizer auch: Heimat erleben, deutsche Traditionen, ein Gottesdienst auf Deutsch.

Eines ist aber eben ganz anders als in Deutschland: Wir begleiten und betreuen mehrere Sozialprojekte in Nairobi, etwa ein beschützendes Mädchenhaus in einem Slum, eine Mädchenschule für Mädchen, die bisher keine Chance hatten, eine Schule zu besuchen, unterstützen eine weitere Schule mit einem Essensprogramm, geben Spendengelder an ein Waisenheimprojekt weiter und geben fast täglich kleine Geldsummen an Menschen, die oft nicht mehr besitzen, als das, was sie auf ihrem Leib tragen.

Der Gegensatz von arm und reich ist erschreckend groß und wir bemühen uns an einigen wenigen Stellen zu helfen, wohl wissend, dass das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Aber ist auch gut zu sehen, dass etwa ein Kind aus dem Slum mit dem Schulgeld von uns die Primary- und Sekundaryschool schafft und einen besseren Weg in die Zukunft finden kann.

Zur Politik: als aktive GRÜNE in Bad Driburg müssen wir uns als Gäste im Land natürlich zurückhalten, obwohl es da Vieles zu berichten und zu kommentieren gäbe. Solche Zurückhaltung fällt einem politisch interessierten Menschen allerdings schwer und im internen Kreis spricht man natürlich auch in der deutschen Community über die Politik in Kenia, allerdings auch über die Flüchtlingsproblematik in Deutschland und Europa.

Zugegeben, wir haben auch schon zweimal eine Safari gemacht. Das ist für uns der Ausgleich für die Arbeit in Nairobi: raus aus der Stadt in die Natur, die Schönheit des Landes kennen lernen, die reichhaltige und faszinierende Tierwelt bewundern.

Deshalb auch für alle Leserinnen und Leser Bilder von Nashörnern und Hyänen in freier Wildbahn im Aberdare-Gebirge.

Kwa heri – auf Wiedersehen.

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URL:http://www.gruene-bad-driburg.de/driburg-aktuell/expand/606495/nc/1/dn/1/